Herdfeuer 28

Art-Nr.: 028

Beschreibung:

Heft 28, 2/2010, 8. Jahrgang

 
Verschiedene Autoren, 36 Seiten. Offene Ausgabe.
 
Inhalt:
 
  • Bolte, Petra: Feruns Namensweihe
  • Bonnetain, Yvonne S.: Von Bäumen und Reisen
  • Eira: Eule
  • Jonas, Kathrin: Im Labyrinth des Lebens
  • Kure, Henning: Ginnungagap
  • Ritter, Hermann: Nach dem Ritual
  • Zautner, Andreas: Die Nacht der Hullefrauen
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Liebe Leser,
 
Nichts ist bekanntlich so beständig wie die Veränderung , und manchmal scheint es, als gelte dies insbesondere für heidnische Gemeinschaften und deren Arbeitsgruppen.
 
So gab es in letzter Zeit auch rund um die Herdfeuer-Redaktion einige Veränderungen und Neuerungen. Christian „Krischan“ Brüning ist derzeit beruflich so eingespannt, dass seine knappe Freizeit für das doch recht zeitaufwendige Setzen der Zeitschrift nicht mehr ausreicht. Er wird der Redaktion aber hoffentlich auch weiterhin mit seinen Ideen zur grafischen Gestaltung des Heftes zur Seite stehen. Den Satz der Zeitschrift übernimmt ab dieser Ausgabe Holger Kliemannel, der den meisten unserer Leser ja sicher bereits als Herdwart des Thüringer Stammtisches und (Mit)Herausgeber des „Heidnischen Jahrbuchs“ bekannt sein dürfte. Da unser Vertrag mit der bisherigen Druckerei ausgelaufen war, haben wir uns darüber hinaus nach intensiver Recherche und Durchsicht von „gefühlten tausend Druckerei-Angeboten“ (Originalton Sebastian) für eine neue Druckerei in Dresden entschieden, die sich uns als preisgünstige Alternative zur bisherigen darstellte – dies bei gleichem Qualitätsstandard wie bisher. Um einen zügigen Ablauf zu gewährleisten, wird diese Druckerei in Zukunft auch das „Eintüten“ und den Versand der Hefte übernehmen, dies mit erträglichen Mehrkosten für den Verein. Seit etlichen Jahren hatte diese mühselige Arbeit ja dankenswerter Weise Christian „Meldric“ Barthel übernommen, der dies nun aber mangels Freizeit auch gerne abgeben möchte. Dies alles hat nun aber dazu geführt, dass wir diese Ausgabe der Herdfeuer 28, die wir mit heidnischem Optimismus für den Frühherbst geplant hatten, nun erst jetzt im Julmond präsentieren können. Wir hoffen auf eure Nachsicht! Das neue Heft ist diesmal wieder eine „offene“, d. h. nicht thematisch auf einen Schwerpunkt eingegrenzte Ausgabe geworden – eine bunte Mischung von Artikeln, Rezensionen und Lyrik rund um das Thema Asatru und Heidentum. Wir finden, es ist wieder eine recht gelungenes und lebendiges Heft geworden, was nicht zuletzt an eurem Engagement liegt – die ganz überwiegende Anzahl der Artikel stammt nämlich wieder aus der Feder von Mitgliedern des Eldaring selbst.
 
Eure besondere Aufmerksamkeit möchten wir diesmal auf den Artikel von Petra Bolte lenken, in dem diese sehr lebendig den Ablauf einer Namensweihe zu Mittsommer 2009 beschreibt. Dieser sehr schöne Erlebnisbericht zeigt beispielhaft, wie Religion im Eldaring praktisch gelebt wird. Bereichert wird dieser Artikel durch zwei Gedichte, die anlässlich dieser Namensweihe entstanden sind, nämlich Hermann Ritters Nach dem Ritual, und Für Ferun von Petra Bolte selbst. Dem Artikel vorangestellt findet ihr den Teil aus Schillers Ode An die Freude, der von den Teilnehmern der Namensweihe als Teil des Rituals gemeinsam gesungen worden ist – ein schönes Beispiel dafür, wie auch Kunstwerke aus einem definitiv nicht heidnischen Kontext sinnstiftend und begeisternd für ein heidnische Ritual eingesetzt werden können. Inwieweit die Ode an die Freude dabei selbst als heidnisches Gedicht gelesen und interpretiert werden kann, das überlassen wir der Spekulation des einzelnen Lesers...
 
Einen Erlebnisbericht ganz anderer Art – nämlich einen recht unheimlichen! – liefert uns Andreas Zautner mit seinem Bericht über die Nacht der Hullefrauen in dem Städtchen Schnett im Thüringer Wald, dass er zu Neujahr 2010 mit zwei wagemutigen Begleitern aufgesucht hat, um dort ein Blot mit einem „Stampftanz“ nach altem Brauch abzuhalten, aber auch, um an den dortigen Gebräuchen teilzunehmen. Es ist Andreas besonders zu danken, dass er sogar seine eigene körperliche Unversehrtheit auf ‘s Spiel gesetzt hat, um diesen eindrucksvollen Bericht über ein leider im Niedergang begriffenes lokales Brauchtum mit alten heidnischen Wurzeln verfassen zu können… aber lest selbst! Diese gelungenen Artikel möchten wir zum Anlass nehmen, wieder einmal alle Eldaring-Mitglieder ganz herzlich aufzufordern, uns auch weiterhin Erlebnisberichte über Feste, Rituale und Treffen zuzusenden; egal ob dies Feste im Jahreskreis, Lebenskreis-Rituale oder besondere Feste und Rituale für Götter, Ahnen und Wesenheiten sind, egal ob sie in großer Runde oder im kleinen Kreis der häuslichen Sippe stattfinden: lasst alle anderen daran teilhaben durch euren Bericht! Denn das ist es doch, was Heidentum ausmacht: das aktive Handeln und Tun – im Ritual wie auch im Leben selbst.
 
Aber auch die übrigen Artikel sind sicherlich sehr lesenswert und laden dazu ein, über die jeweilige Thematik nachzudenken und sich auch eigene Gedanken zu machen.
 
Ginungagap – so heißt der Schlund, über dem die Welt erbaut wurde. Henning Kure, der den Artikel für die dänische Vølse schrieb, gibt uns einen Einblick in die Deutungs- und Herkunftsmöglichkeiten dieses mythischen Ortes.
 
Jeder Asatru kennt (hoffentlich!) das Skirnirlied aus der Edda – wie einmal Freyr sich auf Hlidskjalf, den Sitz Odins begab, und von dort eine Maid im Riesenlande sah, die ihn die schönste der Welt dünkte, und wie er seinen Freund Skirnir aussandte, sie für ihn zu freien. Dass man dieses Lied aber auch ganz anders verstehen kann, als nur als Liebesgeschichte zwischen Gott und Riesin, das zeigt uns Yvonne Bonnetains in ihrem sehr kenntnisreichen Artikel Von Bäumen und Reisen. Es gibt zahlreiche mögliche Ebenen der Interpretation der Edda und der nordischen Sagenwelt – und so kann man das Skirnirslied eben auch lesen als eine Erzählung über eine schamanische Reise ins gefahrvolle Land der Anderswelt, um neue Erkenntnis zu erlangen. Der Text ist recht anspruchsvoll, ist dabei aber sicher der Mühe des Lesens wert. Vielleicht bietet er ja auch dem ein oder anderen den Anlass, noch einmal selbst die Edda zur Hand zu nehmen um das Lied nachzulesen – es lohnt sich auf jeden Fall!
 
Im Gedicht von Kathrin Jonas Labyrinth des Lebens stellt sich das lyrische Ich mutig und mit Hilfe der Götter den Widrigkeiten des Lebens.
 
Im vierten Teil unserer Artikelserie über Trolle geht der Autor diesmal auf deren spezielle Vorliebe für heidnische Gemeinschaften ein und zeigt Gründe dafür auf - ebenso aber auch Möglichkeiten, wie man sich dort gegen ihr schädliches Tun zur Wehr setzen kann. Abgerundet wird das Heft von Eiras Rubrik Geist im Tier, in der sie uns diesmal die Eule vorstellt, sowie von zwei Rezensionen empfehlenswerter Bücher.
 
Viel Spaß bei der Lektüre, eine besinnliche Julzeit und friedliche Rauhnächte wünschen euch für das Redaktionsteam.
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