Literatur 

Die Literaturliste, wohl die umfangreichste und kompetenteste ihrer Art, wurde von unserem 'Bewahrer', Kurt Oertel, zusammengestellt und nochmals 2003 aktualisiert. Seitdem sind zahlreiche Titel hinzugekommen, weshalb sie in die Seiten des Asawiki integriert wurde. Dort kann die Liste leichter auf einem möglichst aktuellen Stand gehalten werden. Sie enthält sowohl wissenschaftliche Fachliteratur als auch esoterische Werke und Romane rund um die Themen Germanen, Archäologie, Runen, Asatru usw. Die Bücher werden größtenteils kurz vorgestellt und auf ihre Eignung für Einsteiger hin bewertet.

Vorbemerkung

(Kurt Oertel)

Die deutschsprachige Literatur zum Thema Germanen ist im wörtlichsten Sinne unüberschaubar. Aus der Masse der Publikationen eine gleichermaßen handliche wie befriedigende Grundliste zu erstellen, ist deshalb eine schweißtreibende Angelegenheit. Für die meisten der hier aufgeführten Titel ließen sich problemlos alternative Titel nennen, die keineswegs schlechter sein müssen. Vor allem Sachbücher über die Wikinger sind praktisch unüberschaubar geworden. Ganze Bücher, die sich nur mit der germanischen Religion beschäftigen, gibt es dagegen gar nicht so viele. Deshalb wird hier versucht, diese möglichst umfassend vorzustellen. Da jedes Buch zahlreiche weiterführende Literaturhinweise enthält, kann (und sollte) jeder Interessierte bei Bedarf selbständig in jeder gewünschten Richtung weiterlesen. Dass in wenigen Ausnahmen auch Werke aus der Zeit von 1933 bis 1945 mit aufgenommen wurden, geschah ausschließlich nach sorgfältiger Prüfung der jeweiligen Titel. Im Gegensatz zu weitverbreiteten Vorstellungen gab es nämlich in der dunkelsten Periode deutscher Geschichte durchaus Publikationen, die auch heute noch als seriöse Forschungsliteratur gelten dürfen. Dass sie in einigen Details nicht mehr dem aktuellen Forschungsstand entsprechen, liegt auf der Hand. Das aber liegt nicht an einer entsprechenden ideologischen Einfärbung.

Generell leiden die meisten älteren Werke daran, dass zum einen mit einem völlig veralteten Volksbegriff operiert wird und neue Erkenntinsse über Ethnizität unberücksichtigt bleiben. Zum anderen wurden gerade die germanischen Religionen oft mit einer romantischen Verklärung behandelt, die sich bis auf die Wurzeln in der Germania des Tacitus zurückverfolgen lässt. Vor allem die alte Vorstellung von den Germanen als "einem Volk" mit einer gemeinsamen "seelischen Grundkraft", aus der sich alle Kulturäußerungen gespeist haben sollten, wird heute mit großer Skepsis betrachtet. Es handelte sich vielmehr um zahlreiche Völker, die zwar einen gemeinsamen sprachlichen Hintergrund besaßen, abgesehen davon aber möglicherweise recht unterschiedlich gewesen sein dürften. Dass sich dieser Aspekt auch auf die Religionen erstreckt, liegt dabei auf der Hand. Auch wenn sie ein grundsätzlich gemeinsames Weltbild ebenso wie teilweise überregionale Hauptgottheiten geteilt haben dürften, hat es eine (!) gemeinsame "germanische" Religion aller Wahrscheinlichkeit nach niemals gegeben, sondern eine Vielzahl von lokalen Kulten und Religionen mit durchaus unterschiedlichen Ausprägungen. Alles andere wäre auch schwer verständlich: es gab schließlich keine zentrale Institution, die über die "Reinheit der Lehre" oder Einheit des Glaubens wachte. Diese Aufsplitterung gilt nicht nur für den großen räumlichen und zeitlichen Abstand zwischen dem römerzeitlichen Germanien und dem mittelalterlichen Skandinavien, sondern auch für die Wikingerzeit selbst dürfen wir in Skandinavien von zahlreichen unterschiedlichen lokalen Ausprägungen ausgehen.

Aus all dem wird deutlich, dass jeder Versuch, all die unterschiedlichen Quellen in ein in sich stimmiges und einheitliches "System" zu pressen, in eine völlig falsche Richtung zielt und bereits im Vorfeld zum Scheitern verurteilt ist. Bereits Snorri hat in seiner Darstellung eine solche Systematik zu konstruieren versucht, die in den ursprünglichen Strukturen so sicherlich nicht vorhanden war. Da dieser Erkenntnis in älteren Werken selten Rechnung getragen wird, tut man gut daran, sie bei jeder Lektüre stets im Hinterkopf zu behalten.

Durch die Kurzkommentare bei den einzelnen Titeln dürfte schon deutlich werden, ob das Buch auch für Anfänger oder eher für Fortgeschrittene zu empfehlen ist. Aber keine Angst vor wissenschaftlichem Schrifttum. Das ist in der Regel keineswegs in unverständlicher Sprache verfasst (sollte es jedenfalls nicht sein), sondern es setzt lediglich oft ein Grundwissen voraus, das bei den meisten Asatruar aber vorhanden sein dürfte.

Als weitere kleine Orientierungshilfe finden sich vor etlichen Titeln zusätzlich noch folgende Symbole, bei denen es sich NICHT um Qualitätsbewertungen, sondern um Hinweise auf wissenschaftlichen Anspruch und für das Verständnis nötige Vorwissen handelt:

* auch für Neulinge gut geeignet

**eher für Fortgeschrittene

***eher für Spezialisten